Besseres Englisch durch Fernsehen / by Sebastian Küpers

Ich selbst hatte neun Jahre lang Englisch in der Schule - und ich war nie besonders gut. Nichts desto trotz verstehe ich jedes Wort auch in komplizierten Situationen und kann auch ganz gut Englisch sprechen obwohl meine Aussprache recht "uncool" ist.

Oder formulieren wir es positiv: "sympathisch", da man einfach zu 100% hört, dass ich aus Deutschland komme und nicht annähernd irgendeinen Akzent nachahmen kann.

Aber wie mal ein Englisch-Coach zu mir gesagt hat - bei dem ich zwei Wochen im Intensiv-Training war - kurz bevor ich mal für ein paar Monate nach London für einen Job  musste: "Du hast keine Probleme zu sprechen. Du sprichst einfach, fliessend und kannst dich ausdrücken. Auch wenn das nicht immer alles richtig ist und ich diese Fehler nie im Leben in zwei Wochen korrigieren kann!"

Und ich sage mal so: das reicht mir. Und was mir die Monate damals in London gelehrt haben: so geht es vielen die nicht mit der Sprache groß geworden sind und niemand schert sich darum.

Mein Englisch ist seit dem immer besser geworden und wenn ich zurückdenke muss ich sagen: das habe ich wirklich mit zu einem großen Teil dem Fernsehen zu verdanken! (der andere Teil ist die pure Praxis des Sprechens) Wenn man dem Fernsehen etwas Gutes und Sinnvolles abgewinnen will, dann ist es wirklich die Fähigkeit Fremdsprachen zu vermitteln.

Ich wollte darüber schon immer einmal bloggen und hiermit tue ich das. Der Punkt ist: wir kennen alle diese Idioten die angeberisch erzählen: "Ey, den Film MUSST Du in OV sehen. Sonst ist er nur halb so gut".

Mich selbst hat das Jahre lang auf die Palme getrieben und mittlerweile muss ich zugeben: es stimmt.

Jede Fernsehserie, jeder Kinofilm der in Englisch original produziert wurde ist um so vieles großartiger wenn man ihn auf Englisch hört und verstehen kann. Aber letzteres ist entscheidend und hier sind meine Tipps wie ihr dort hinkommt:

1. Die Serienphase

Fangt einfach mit Serien an, die ihr eh schon kennt und liebt. "Two and a half man", "Big Bang Theorie" - oder was auch immer. Nehmt Serien die ihr schon kennt und schaut sie noch mal jeden Abend auf Englisch. Bei guten Serien lacht man sich auch noch mal beim zweiten Mal scheckig und was wichtig ist: schaut sie lange am Stück über Monate und wechselt nicht zu oft die Serien sondern bleibt bei einer über lange Zeit am Ball bis ihr das Gefühl habt auch jedes Wort zu verstehen wenn ihr dabei einer anderen Tätigkeit nachgeht. Bügeln, Abwaschen - was auch immer.

Ihr werdet euch wundern wieviele Vokabeln und Ausdruckweisen man auf einmal lernt, wenn man einfach nur sehr lange zuhört und im Prinzip weiß was vor sich geht.

Denn gerade durch das kontinuierliche Schauen einer bestimmten Serie lernt man mit der Zeit Dinge, Feinheiten und Selbstverständlichkeiten einer Sprache, die man vorher nicht verinnerlicht hatte oder kannte, da sie in der Serie sehr oft wiederholt werden und man ihren Kontext auf "natürliche" Art und Weise versteht, da man das Konzept der Serie bereits kennt.

2. England vs. USA

Ich hab in meiner Zeit festgestellt, dass der Unterschied zwischen Serien im britischen  und amerikanischen Englisch wirklich gravierend ist! Wer gleich am Anfang versucht "The Wire" oder "Boardwalk Empire" auf Englisch zu schauen, wird vermutlich frustriert das Handtuch werfen, da der Akzent und der durch die Serien bedingte Slang so dermaßen stark ist, dass man im Prinzip nix versteht.

Mein persönlicher "Geheimtipp" - auch gerade aktuell im deutschen Fernsehen - wäre z.B. "Downton Abbey" komplett auf Englisch zu schauen. Die sprechen so dermaßen klares britisches Englisch, dass es kaum auszuhalten ist - ok - natürlich lernt man dabei ein paar sehr aristokratische Ausdrucksweisen. Aber immerhin versteht man sie akustisch und kann unbekannte Dinge auch mal schnell im Internet nachschlagen.

Sucht euch daher anfangs unbedingt Serien, die nicht stark auf irgendwelche Slangs verhaftet sind. Ihr würdet ja auch keinem Ausländer empfehlen, sich erstmal etwas auf bayerisch oder sächsisch anzusehen.

3. Nicht aufgeben und vor allem: mitdenken

Was für mich wichtig war zu begreifen ist die Tatsache, dass auch wenn man Anfangs denkt: "ok ich verstehe hier kein Wort" - nicht sofort das Handtuch werfen sollte. Wenn ich z.B. an "Big Bang Theory", "Mad Man", "Games of Thrones" oder auch "The News Room" auf Englisch zurückdenke hab ich anfangs gedacht: "ne das lass ich wieder".

Bei ersterem z.B. wird einem aber schnell klar, dass die eigentlich sehr deutlich sprechen, man nur die Fachbegriffe nicht versteht. Aber mal ganz ehrlich: wer versteht deren Fachbegriffe auf Deutsch? Welchen Einfluss haben die auf das Verständnis der Serie? Fast keinen. Und wenn man sich bei "Big Bang Theory" mal damit abgefunden hat, dass es egal ist deren Physiker Witze zu verstehen hört man sich schnell rein.

Bei den anderen Beispielen war es für mich anfangs auch nicht gerade einfach, aber wenn man dort einfach mal über 3-4 Folgen wirklich am Ball bleibt und vor allem in der Zeit konzenrtiert und aufmerksam hinhört - und ich denke das ist wirklich wichtig am Anfang - dann lernt man sehr schnell und kommt auch vom Hörerlebnis sehr gut rein.

Und vor allem realisiert man nach mehreren Folgen welche Ausdrücke einem eigentlich nicht geläufig sind. Die wiederholen sich nämlich immer. Für mich war es häufig so, dass jede Serie so seine spezifischen Ausdrücke und Vokabeln hatte, bei denen man erstmal länger auf dem Schlauch stand. Und wenn man das mal realisiert: "was sagen die da immer, was ich nicht genau verstehe?" - und das dann mal in Ruhe nachschaut: dann läuft es plötzlich und man fühlt sich heimisch und kann wieder Bügeln gehen.

4. Stetig steigern

Wenn man die einfache Serienphase hinter sich hat und dann auch mal ein paar Dinge gemeistert hat wo man sich anfangs stark konzentrieren und zusammen reißen musste, um dann zu realisieren, dass man langsam reinkommt - dann würde ich mal größere Herausforderungen annehmen, die stark Slang behaftet sind.

"The Wire" oder "Boardwalk Empire" sind m.E. dafür wirklich sehr gut geeignet. Wenn man das dann mal mit dem Training davor durchgestanden hat und dann mal im Kino sitzt und plöztlich den deutschen Trailer zu "Django Unchained" sieht, den man auch schon auf Englisch kennt ... schaut bitte erst auf Englisch und dann auf Deutsch ...

1. Englisch und 2. Deutsch:

... dann denkt man plötzlich: Oh mein Gott! Die Arschlöcher - die immer behaupten man muss den Film unbedingt in OV sehen - hatten ja soooo dermaßen recht!

In dem Sinne - frohes Fernsehen!

Written By Sebastian Küpers

I write about minimalism, entrepreneurship, programming, public speaking, technology and account planning about 2-3 times a week.